Ältere Beiträge

Auf dieser Seite befindet sich eine Sammlung von früheren Beiträgen zur Geschichte der Universität, die vom Team des UZH Archivs seit 2012 in der Rubrik "Vitrine" publiziert wurden.

 

Vom zähen Ringen um Mitsprache: Die Hochschulreformkommission

Marcel Brengard

Das Schlüsselereignis und der historisch-soziale Bezugspunkt der Erinnerungskultur der 68er-Studentenbewegung in Zürich ist die Uni-Schliessung 1971. Demgegenüber ist die Arbeit der Hochschulreformkommission (HRK) weitgehend in Vergessenheit geraten, obwohl primär dieses Gremium versuchte, die Anliegen der Studierenden in der Organisation der Universität zu verankern.

Die Hochschullandschaft der späten 1960er-Jahre war geprägt durch rasant steigende Studierendenzahlen und einer verstärkten Politisierung der Studentenschaft, innerhalb derer sich die Kräfteverhältnisse zugunsten der Linken zu verschieben begannen. Schweizweit wurde Rufe nach einer Erweiterung der zentralen universitären Gremien laut, in dem alle Universitätsangehörigen gleichberechtigt verantwortlich am Entscheidungsprozess beteiligt sein sollten. An der Universität Zürich wie auch andernorts wurde im Hinblick auf eine zweckmässige Gestaltung neuer Hochschulgesetze eine «Experimentierphase» eingeleitet, der Einsitz von Studierenden und Assistierenden auf Universitäts- und Fakultätsebene wurde hier jedoch entschieden abgelehnt und auf Instituts- und Seminarebene abgedrängt. Als Ausnahme wurde auf Beschluss des Senats am 26. Juni 1970 die Hochschulreformkommission als drittelsparitätisches Gremium ins Leben gerufen.

Die Kommission sollte eine Sichtung und Bestandesaufnahme aller Experimente in den Seminaren und Instituten vornehmen sowie die gemachten Erfahrungen in ein neues Universitätsgesetz einbringen. Die grossen Hoffnungen, welche die progressiven Studierenden anfangs in die HRK setzten, wurden bald enttäuscht: Nach eigenen Angaben war der HRK die Beurteilung und Wertung der Resultate der Experimentierphase praktisch verunmöglicht worden, insbesondere weil die «Experimente» auf Institutsebene kaum Schlüsse auf gesamtuniversitärer Ebene zuliessen und die Reglementierung der Institute und Seminarien zugleich im neuen Universitätsgesetz ausgeklammert worden war.

Als 1976 die Pläne für das neue Universitätsgesetz nach einer breiten Vernehmlassung endgültig zu Grabe getragen worden waren, galt die erhoffte grosse Strukturreform als definitiv gescheitert und somit auch die HRK. Dennoch bestand die Kommission weiter und beschäftigte sich fortan mit diversen bildungspolitischen Fragen wie der Reform der Studieneingangsphase oder der Gestaltung der Studienberatung, sie bemühte sich um ein studierendenfreundliches Vorlesungsverzeichnis und organisierte Vorträge sowie Diskussionen zu Bildungs- und Hochschulproblemen. Nach der Umbenennung in Kommission für universitäre Reform– und Bildungsfragen (KRB) in den 1980er-Jahren standen neben der Förderung von Tutorien und dem Einsatz von audiovisuellen Medien im Unterricht, die Organisation und Betreuung der hochschuldidaktischen Kurse im Zentrum ihrer Tätigkeit. 1988 wurde die HRK/KRB aufgelöst und die ihr angeschlossene Arbeitsstelle für Hochschuldidaktik wurde als eigenständige Forschungsstelle weitergeführt.

Für die veränderungswilligen Studierenden galt die HRK als Sinnbild für die gescheiterten Reformversuche. Gemessen am Anspruch der Studierenden bei der Einführung der HRK ist dieser Einschätzung wohl zuzustimmen, glaubten sie doch sämtliche Universitätsprobleme durch paritätische Mitsprache lösen zu können. Losgelöst von den hohen Erwartungen der Studentenbewegung, zeigt sich jedoch ein differenzierteres Bild: So erwirkte die HRK unter anderem die Erweiterung der Hochschulkommission um Assistierende und Studierende mit beratender Stimme und auch die noch heute bestehende Möglichkeit zur Evaluation von Vorlesungen und Seminaren durch die Teilnehmer und Teilnehmerinnen ist ein Verdienst der HRK.

Eine umfassende Auswertung der Arbeit der Hochschulreformkommission und eine gründliche Aufarbeitung ihrer Geschichte steht noch aus. Ihre Akten sind in diesem Frühjahr erschlossen worden und enthalten umfangreiche Unterlagen zur Kommission selbst – darunter die vollständige Sammlung ihrer Sitzungsprotokolle – sowie zur Vernehmlassung des 1976 gescheiterten Universitätsgesetzes. Darüber hinaus findet man in diesem Bestand auch Akten zu den zahlreichen Studienreformen, dem Tutoratswesen und anderen hochschuldidaktischen Neuerungen.

Das Gros der Akten unterliegt keiner Schutzfrist mehr und kann nach Absprache mit dem UZH Archiv eingesehen werden.

 

Die historische Handkartei der Universitätskanzlei

Philipp Messner

Um 1913 führte die Kanzlei der Universität Zürich zur Studierendenadministration eine Handkartei ein, d.h. die vormals buchmässig geführten Listen der immatrikulierten Studierenden wurden durch ein Ensemble von Karten ersetzt.

Auf den einzelnen mit einem strukturierenden Vordruck versehenen Karteikarten wurden jeweils die folgenden Daten aufgenommen (und gegebenenfalls nachgeführt):

  • Name
  • Immatrikulationsnummer
  • Fakultät
  • Studienfach
  • Heimatort oder Land (bei Ausländern)
  • Geburtsdatum
  • Name des Vaters oder sonstigen Inhabers der elterlichen Gewalt
  • Angaben zu Vorbildung / Hochschulzugangsberechtigung (vorgewiesene Schriften, zuletzt besuchte Lehranstalt)
  • Datum der Immatrikulation
  • Adresse / Adresswechsel
  • Semesterweise Bestätigung der Immatrikulation / Urlaubssemester o.ä.
  • Angaben zum Weggang von der Universität

Während bis zu diesem Zeitpunkt die Studierendendaten in einem Buch verwaltet wurden, hatte das Prinzip der aus losen Elementen bestehenden Kartei nun den entscheidenden Vorteil, dass an jeder Stelle ohne weiteres neue Karten in beliebiger Anzahl eingeführt werden konnten. Zudem konnten einzelne Karten auch einfach umsortiert und «totes Material» ausgesondert werden.

Auch wenn das Prinzip der Kartei seit längerem bekannt war, galt – insbesondere in der öffentlichen Verwaltung – das gebundene Buch noch lange als Fundament einer gesicherten Arbeitsweise. Vor der Rationalisierungswelle der 1920er Jahre, die nicht nur Fabrik- sondern auch Büroarbeit im Blick hatte, waren Karteien in der Schweiz nur vereinzelt im Einsatz. Im Kanton Zürich beispielsweise beim kriminalpolizeilichen Erkennungsdienst und bei der zentralen Verwaltung der Gefängnisinsassen. Je umfangreicher aber die Verwaltungen und ihre Aufgaben wurden, umso mehr machte sich eine Abkehr von der traditionellen buchbasierten Administration bemerkbar. So war es auch im Fall der Universität Zürich. Die Zahl der Studierenden hatte sich hier seit der Jahrhundertwende mehr als verdoppelt. 1900/01 waren 695 Personen eingeschrieben, 1912/13 bereits 1480. Es ist zu vermuten, dass die genannte verwaltungstechnische Innovation an der Universität direkt auf diese Entwicklung zurückzuführen ist.

Kanzlei um 1930 Vorschau
(UAZ) AC.2.2.1.32: Hinter dem Schalter der Universitätskanzlei, Fotografie von 1930.

Die Handkartei wurde an der Universität bis 1982 aktiv bewirtschaftet. Im Rahmen einer grundlegenden Reorganisation der Zentralverwaltung der Universität wurde die manuelle Datenverarbeitung mittels Karteikarten durch ein EDV-System ersetzt. Im Jahresbericht 1982/83 wird darüber informiert, dass die Universitätskanzlei zur Erledigung ihres Tagesgeschäfts nun mit Bildschirmen und einem Drucker zum direkten Ausdruck von Studienbescheinigungen ausgerüstet ist. Eine retrospektive Digitalisierung der auf den alten Karten analog vorliegenden Daten wurde damals nicht vorgenommen. So blieb der etwa 65'000 Karten umfassende Apparat bestehen und steht bis heute der Kanzlei für besondere Abklärungen zur Verfügung.

Für die Zeit zwischen 1833 und 1924 steht seit zehn Jahren mit der auf der Grundlage der alten Matrikelbücher und Meldebogen erstellten Matrikeledition eine online abrufbare Datenbank zur Verfügung, bei der die Inhalte nun nicht mehr der starren alphabetischen Ordnung nach Namen unterworfen sind, sondern bequem im Volltext durchsucht werden können. Für die Beantwortung von Fragen zu einzelnen Studierenden im Zeitraum zwischen 1924 und 1982 ist die Studierendenkartei allerdings auch weiterhin ein unverzichtbares Hilfsmittel, auf das auch die Mitarbeitenden des UZH Archivs gerne zurückgreifen.

Neben dem primären Informationswert der historischen Studierendenkartei ist an ihr aber auch eine administrative Praxis und nicht zuletzt medientechnische Veränderungen ablesbar. So wurde beispielsweise der seit Einführung bis ca. 1950 unverändert beibehaltene Vordruck anfangs komplett handschriftlich mit Tinte ausgefüllt, bevor im Lauf der 1930er Jahre die semesterweise erfolgende Bestätigung der Immatrikulation dann mittels Stempel auf die Karte übertragen wurde. Für tendenziell unveränderliche Informationen wie Name, Heimatort etc. kam ab Mitte der 1940er Jahre eine mechanische Schreibmaschine zum Einsatz. Diese wurde schliesslich – als letzter Schritt vor der Digitalisierung – in den 1970er Jahren durch eine elektrische ersetzt.

Karten mit Farbcode (Schweizer Männer / Ausländer / Frauen) aus der Zeit des Ersten Weltkriegs.

Sichtbare Veränderungen beim Layout und bei den Mitteln zur Beschriftung bei stets gleichbleibendem Format (Karten angelegt 1930, 1950 und 1969).

 

Haushalten mit der Theologinnengruppe

Inge Moser

Synodalin Vorschau
(UAZ) PA.028.011: Bericht zur feministischen Theologie in der Zürcher Synode

Die Wellen der Frauenbewegung schwappten in Zürich in den 1980er Jahren bis in den Fachverein der Theologischen Fakultät. Hier bildete sich 1984 eine Frauengruppe, die sich zuerst Theologinnen-Stamm (der Buchstabe O wurde in den Notizen jeweils zum Venussymbol ♀ erweitert) und dann Theologinnengruppe nannte. Die Akten dieser Gruppe (ca. 1984–1990) befinden sich im Nachlass des studentischen Fachvereins der Theologischen Fakultät, der im April 2012 ins UAZ gelangte.
Die Gruppe bestand aus ca. 10 bis 15 Theologiestudentinnen. Diese machten es sich zum Ziel, feministische Theologie innerhalb ihres Studiengangs zu stärken und zu verhandeln. Zwischen 1986 und 1990 finden sich in den Unterlagen mehrere Anträge für Lehraufträge von Theologinnen oder für entsprechende Lehrveranstaltungen, die die feministischen Studentinnen beim Dekanat eingereicht hatten. Die Theologinnengruppe verstand sich aber auch als «Diskussions-, Arbeits- und Aktionsgruppe im universitären Raum», die Veranstaltungen und Lesungen plante, mit Pfarrern korrespondierte, Leserinnenbriefe schrieb und Positionspapiere zu ethisch heiklen Themen wie der künstlichen Befruchtung verfasste.

Auch die von Bundesrat Adolf Ogi im Fernsehen propagierten Massnahmen zum Energiesparen Ende der 1980er Jahre liessen die Frauen nicht unkommentiert und schrieben dem Bundesrat kurzerhand einen Brief. Ogi demonstrierte nämlich zum Auftakt der Kampagne «Bravo plus» als praktisches Beispiel für den Alltag, wie man (frau?) möglichst sparsam Eier kocht. Der gut gemeinte und väterlich anmutende Appell an das Private, und somit an die Hausfrauen, stiess den Feministinnen jedoch sauer auf: «Sie wissen ja selbst: Energiesparen beim Eierkochen richtet sich an Hausfrauen und sich selbst verpflegende Männer. An Frauen ohne Verwaltungsratssitze in Elektrizitätswerken, ohne politische Lobby, ohne ein Firmeninteresse, ohne Kapital. … Zynisch ist es, das, was im Kleinen beginnen soll, schon wieder und immer noch an den Hausfrauen festzumachen, denn sie sind es ja längst, welche seit Jahren Aludeckeli, Flaschen, Dosen und Papier sammeln – freiwillig wohlverstanden – als Energiesparmassnahme, nicht etwa als Hobby. Und in der Verpackungsindustrie und anderswo hat sich nichts, aber auch gar nichts geändert, wenigstens nicht freiwillig, wohlverstanden.» In ihrem Schreiben kritisierte die Theologinnengruppe also neben Ogis implizierten Ratschlägen an die Hausfrauen auch die Versinnbildlichung von Sparen als «Haushalten», was darin mündete, dass der grosse Energieverbrauch im Wirtschaftssektor bei der Kampagne gar nicht mitgedacht wurde.

In seiner Antwort versuchte Bundesrat Ogi, den feministischen Angriff mit Neutralität abzuwehren und die Energiesparkampagne erneut in den Vordergrund zu rücken: «Das Energiesparen ist gewiss keine geschlechterspezifische Angelegenheit. Jede und jeder, Frau und Mann, haben in ihrer jeweiligen Alltagstätigkeit Möglichkeiten, die Energie bewusst einzusetzen. Der Haushalt ist ein Bereich, der Verkehr ein anderer, in denen wohl die meisten von uns sich bewegen. Im übrigen verfolgt die Energiesparkampagne die Methode, auf lobenswerte Verhaltensweisen aufmerksam zu machen und sie mit dem Bravo zu versehen.» Na bravo, hier hat man und frau sich offensichtlich nicht verstanden. Auch wenn die feministische Kritik beim Bundesrat keinen Anklang fand, wurde die Energiesparkampagne einige Jahre später doch noch auf die Wirtschaft und Industrie ausgeweitet (Tages Anzeiger vom 18.07.2012).

(UAZ) PA.028.011: Brief der Theologinnengruppe an Bundesrat Ogi (PDF, 2024 KB)

(UAZ) PA.028.011: Antwort von Bundesrat Ogi (PDF, 1251 KB)

Flyer "Wohin läuft die Kirche?"
(UAZ) PA.028.011
Flyer "Patriarchales Familienmodell"
(UAZ) PA.028.011
Flyer "Jüdische feministische Theologie"
(UAZ) PA.028.011
Flyer «Wohin läuft die Kirche?» Flyer «Patriarchales Familienmodell» Flyer «Jüdische feministische Theologie»

 

Ausweitung der Konfliktzone – Die Arbeitsblätter des marxistischen KStR 71

Philipp Messner

Im universitären Jahresbericht 1971/72 (Jahresberichte) lesen wir, dass im Berichtsjahr «die studentische Exekutive […] und die Universitätsleitung miteinander auf unverhohlenem Kriegsfuß» gestanden habe. Es ist die Rede von einem linksextremen Kleinen Studentenrat (KStR), der in enger Verbindung mit einer Reihe revolutionärer Gruppen versucht habe, «die Universität in eine politische Arena zu verwandeln, in welcher eine sozialistische Hochschule zugleich mit einer sozialistischen Gesellschaft vorangetrieben werden sollte». Die Grundsätze dieser Politik habe der KStR in seinen zu Beginn des Sommersemesters 1971 publizierten «Arbeitsblättern» dargelegt. Die darin propagierte «Konfliktstrategie» sei in der Folge von der Basis unverzüglich umgesetzt worden. Dieser «wohldosierten Eskalation», die ihren Höhepunkt im Juli in der «antifaschistisch-antikapitalistischen Informationswoche» fand, habe dann mit einer vorübergehenden Schliessung des Kollegiengebäudes samt Biologie und Mensa ein Ende bereitet werden müssen.

Arbeitsblätter KStR 71
(UAZ) E.5.1.291: Martin Farner, Anton M. Fischer, Conrad E. Frei, Peter Küpfer, Felix Meisterhans, Bernd Dieter Niebuhr: Arbeitsblätter KStR 71 – Grundlagen für eine neue Studentenpolitik, Zürich 1971.

Die erwähnten «Arbeitsblätter» des KStR 71 finden sich im UZH Archiv im Bestand des Wissenschaftlichen Informationsdienstes. Die im Matrizendruck vervielfältigte Broschüre ist alles andere als ein Leitfaden für revolutionären Aktivismus, sie dokumentiert vielmehr das überaus intensive Bemühen einer studentischen Linken um die theoretische Fundierung ihres Strebens. Auf 80 Schreibmaschinenseiten unternimmt das Autorenkollektiv nichts weniger als den Versuch einer marxistischen Analyse der Rolle von Wissenschaft und Hochschulbildung in der aktuellen Phase kapitalistischer Entwicklung in Westeuropa, um damit gemäss Untertitel «Grundlagen für eine neue Studentenpolitik» zu schaffen. In Ausschnitten wurde der Text im Juni 1971 auch im «Zürcher Student» abgedruckt (ZS 1971, Nr. 3, S. 9/11).

Der erste Teil stellt eine kritische Auseinandersetzung mit der Studierendenbewegung und der antiautoritären Rebellion von 1968. Diese sei verschiedenen idealistischen Vorstellungen angehangen, was letztlich auch zu ihrem Zusammenbruch geführt habe. Übriggeblieben sei ein konzeptloser Pragmatismus. Die vordringlichsten Aufgaben einer progressiven Studierendenpolitik mit gesamtgesellschaftlicher Perspektive lägen darum hauptsächlich im Bereich der Theorie. Entsprechend wird im zweiten und dritten Teil der Publikation die aktuelle Situation an der Universität im Sinne einer neomarxistischen ökonomischen Theorie grob skizziert. Ausgegangen wird dabei von einer anstehenden qualitativen Umwälzung des Wechselverhältnisses zwischen Wissenschaft und Kapital, die mit Karl Heinz Roth und Eckard Kanzow als «dritte reelle Subsumtion» bezeichnet wird. Die Universität wird dabei beschrieben als Schauplatz eines Konflikts zwischen progressiven und reaktionären Kapitalien. In diesem Spannungsfeld gelte es sich zu positionieren.

Linkspolitisches Engagement erscheint in den «Arbeitsblättern» des KStR 71 als langfristig angelegtes Unterfangen. Es ist nicht bloss eine Frage der Haltung, sondern untrennbar verbunden mit einem spezifischen Erkenntnisinteresse: Auf der Basis einer fundierten Theorie sollte das Neue der Gegenwart gleichsam handelnd begriffen werden.

Der politische Diskurs an vielen Universitäten in Westeuropa wurde in den 1970er Jahren massgeblich durch den Neomarxismus und die ihm eigene (sperrige) Sprache geprägt. In Zürich fand diese ausgesprochen theoretisch orientierte Form gesellschaftspolitischen Engagements allerdings nie grossen Widerhall und verschwand spätestens mit den Jugendunruhen von 1980/81 fast vollständig von der Bildfläche.

Der KStR informiert
(UAZ) E.5.2.2: Informationstafeln des KStR in der Eingangshalle des Kollegiengebäudes 1971.

Im Unterschied zum ersten «progressiven» KStR 1969 bei dem mit Moritz Leuenberger ein späterer Bundesrat beteiligt war, führte bei keinem der im Sommer 1971 im KStR aktiven Studierenden das Engagement im Rahmen der Universität zu einer eigentlichen politischen Karriere. Der Anfangs noch beteiligte spätere sozialdemokratische Kantonsrat Ueli Mägli sowie Koni Loepfe, langjähriger Präsident der SP Zürich, hatten das Gremium zu diesem Zeitpunkt bereits aufgrund inhaltlicher Differenzen verlassen.

Ihre Sicht auf die damaligen Konfliktlinien schildern die drei ehemaligen studentischen Aktivisten Martin Farner, Anton M. Fischer und Willi Wottreng in einem Anfangs 2014 vom UAZ initiierten und aufgezeichneten Zeitzeugengespräch.

Weiterführendes zur organisierten «Studentenschaft der Universität Zürich» (SUZ), wie sie an der UZH von 1920 bis zu ihrer Aberkennung durch den Kantonsrat 1977 bestand, findet sich im Staatsarchiv des Kantons Zürich: (StAZH) W II 12. Die Unterlagen des 1978 als Nachfolgeorganisation gegründeten und 2005 schliesslich aufgelösten linkspolitisch aktiven «Verband Studierender an der Universität Zürich» (VSU) liegen im UZH Archiv.

Ernst Meyer und der Grosse Krieg

Marcel Brengard

Vor einhundert Jahren begann mit der Kriegserklärung von Österreich-Ungarn an Serbien der Erste Weltkrieg, die «Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts». Spuren des Grossen Krieges finden sich auch im UZH Archiv.

Blick aus der Sommervilla
(UAZ) PA.013.067 (Teil 2): «Blick aus meiner Sommervilla»: Zeichnung in einem Brief an die Liebsten zuhause.

Eine besondere Kategorie von Beständen im UAZ bilden die Nachlässe ehemaliger Dozierenden der Universität Zürich. Dazu gehört auch jener des Althistorikers und Epigraphikers Prof. Dr. Ernst Meyer. Seine Hinterlassenschaft besteht hauptsächlich aus den umfangreichen Arbeitsmaterialien zu seiner Forschung, diversen Manuskripten, verschiedenen thematischen Sammlungen und zahlreichen Fotografien antiker Stätten. Darüber hinaus sind im Nachlass viele private Unterlagen zu finden, beispielsweise Fotografien und Bücher aus der Schulzeit und dem Studium. Darunter finden sich auch die persönlichen Erinnerungen Meyers vom Ersten Weltkrieg, an dem er als junger Freiwilliger teilgenommen hatte.

Am 21. Februar 1898 in Pinneberg (Schleswig-Holstein) geboren, besuchte der Sohn des Prokuristen Hermann Heinrich und Antoinette Ernst bei Kriegsausbruch noch das Gymnasium in Altona bei Hamburg. Im zarten Alter von 16 Jahren meldete sich der kriegsbegeisterte Jüngling beim Deutschen Heer, wo ihm nach «Prüfung seiner persönlichen Verhältnisse und seiner wissenschaftlichen Befähigung» im Juni 1915 der «Berechtigungsschein zum einjährig-freiwilligen Dienste» ausgestellt wurde. Ende 1916 trat Meyer im elsässischen Neubreisach seinen Dienst an und blieb bis zum Kriegsende im Fussartillerie-Regiment 27 des 7. Bataillons des Deutschen Heeres.

In seinen Unterlagen zum Grossen Krieg befinden sich neben der militärischen Erkennungsmarke diverse offizielle Dokumente wie die «Felddienstordnung», Schiessvorschriften für die Artillerie und Bedienungsanleitungen für Geschütze. Zahlreiche private Fotografien von Häuser- und Kirchenruinen dokumentieren die Zerstörungskraft der Moderne. Andere vermitteln uns einen Eindruck vom Leben an der Front, den Schützengräben und den Stellungen. Besonders interessant sind aber auch die vielen Briefe, welche Meyer erhalten und verschickt hat.

Feldunterstand
(UAZ) PA.013.063: Fotografie eines getarnten Feldgeschützes

Seine Schwester Elfriede sandte ihm Grusskarten aus frisch eroberten Städten, derweilen Ernst seiner Familie und seiner Freundin zuhause von der Front berichtete. Anhand dieser Briefe lassen sich die verschiedenen Stationen seines Kriegsdienstes nachvollziehen: Hautefois, Flandern und der berüchtigte Chemin des Dames, um nur einige zu nennen. 1917 wurde er verwundet und ins Kriegslazarett Origny eingeliefert. Doch das hielt ihn nicht davon ab, anschliessend wieder ins Heer zurückzukehren, bei dem er bis 1919 blieb.

Nach dem Krieg studierte er in Hamburg Alte Geschichte, Klassische Philologie, Archäologie und Orientalistik. Anstatt sich wie zwischen 1914 und 1918 an der Westfront im Erdreich einzugraben um sich vor den Granaten zu schützen, widmete Meyer sein Leben fortan dem Ausgraben antiker Schätze. Statt dem Boden Blut, Gesundheit und Leben zu opfern, wurde dieser zu einer fruchtbaren Quelle seiner Erkenntnis. So promovierte Meyer 1923 in Göttingen, schrieb 1924 an der Universität Kiel seine Habilitation und wurde 1927 als Nachfolger von Johannes Hasebroek auf den althistorischen Lehrstuhl an die Universität Zürich berufen, wo er fast vier Jahrzehnte forschte und mehrere wegweisende Schriften verfasste.

Nachdem Ernst Meyer 1968 von seinem Posten zurückgetreten war, lebte er noch einige Jahre in der Schweiz und verstarb schliesslich am 18.11.1975 in Zürich. Nach seinem Tod wurde sein Nachlass dem UZH Archiv übergeben.

Berechtigungsschein Vorschau
(UAZ) PA.013.063
Erkennungsmarke
(UAZ) PA.013.067 (1)
Soldbuch Vorschau
(UAZ) PA.013.067 (1)

«Berechtigungsschein zum einjährig-freiwilligen Dienste»

 

Erkennungsmarke

Soldbuch

Rauchen an der Universität

Inge Moser

Wer vor vier Jahren den Lift über Mittag benutzte oder vor 40 Jahren in einem Hörsaal rauchte, verstiess gegen die Hausordnung. Aber nur wenige wissen um das Rauchverbot an der Universität Zürich in Hörsälen, Lesezimmern und an Seminaren, das bereits 1914 in der Hausordnung der Universität festgeschrieben wurde. Obwohl die meisten Regelungen, wie zum Beispiel die Öffnungszeiten der Universitätsgebäude, heute gar nicht so anders lauten, gibt es doch einige kuriose sprachliche Hinweise in den Paragraphen. So durften sich die Studierenden nicht über Mittag in den Vorlesungssälen aufhalten, während heute selbst während dieser Zeit Vorlesungen stattfinden.

Hausordnung 1914
(UAZ) BH 1: Hausordnung 1914

In der Hausordnung gibt es zudem Anweisungen betreffend der Garderobe für Studierende. Gegen eine Gebühr konnten die adretten Studierenden ihre Kleidungsstücke, also «Schirme, Stöcke etc.», abgeben. Weiter wird auch auf die Sauberkeit im Gebäude wertgelegt. Zum Beispiel machen die Verfasser der Ordnung darauf aufmerksam, dass «besondere Schalen» für den Abfall zur Verfügung stehen. Ein heikleres Anliegen war allem Anschein nach die Sauberkeit in den Toiletten: «In den Aborten ist die grösste Reinlichkeit zu beachten.»

Ausstellung Schädlichkeit des Rauchens
(UAZ) E 5.2.31_0857: Schädlichkeit des Rauchens, 1979

Die Hausordnung der Universität von 1914 wurde erst 2010 erneuert, was bedeutet, dass die Liftbenutzung und die Lockerung des Rauchverbots in den 70er und 80er Jahren genau genommen Verstösse gegen die gültige Ordnung waren, die aber von der Universität nie geahndet wurden. Der veränderte Umgang mit den Verstössen weist demnach vielmehr auf gesellschaftliche Veränderungen (und Laster) über die Jahrzehnte hin. Das Rauchverbot wurde spätestens in den 70er Jahren nicht mehr eingehalten. Im Film zur Uni-Schliessung 1971 sind mehrere Zuhörer in der Aula beim Rauchen zu beobachten und auch die 15‘000. Studentin wurde 1981 bei der Entgegennahme ihrer Urkunde mit Zigarette abgelichtet.

Ein Bericht zum Thema «Rauchen im Kollegiengebäude» aus den Akten des Generalsekretärs bezeugt, dass man ein allgemeines Rauchverbot 1980 für nicht oder nur schwer durchsetzbar hielt. Darin wird von einem generellen Rauchverbot abgeraten und stattdessen beantragt, die untere Mensa über Mittag rauchfrei zu halten sowie im Lichthof eine Nichtraucher-Ecke von maximal einem Achtel der Fläche einzurichten. Auch wurde die Kontrolle über die Einhaltung nicht als Aufgabe des Hausdiensts betrachtet, sondern man appellierte an die Vernunft und Eigenverantwortung der Einzelnen, sprich der nichtrauchenden Minderheit: «Es wäre zu begrüssen, wenn Nichtraucher in bestimmter, aber nicht aggressiver Art, dieser Idee zum Durchbruch verhelfen würden.»

(UAZ) E.16.1.005: Bericht, 1980

Nach diversen Kampagnen gegen das Rauchen ab 1970 bis in die 90er Jahre und Diskussionen über die Luftqualität im Gebäude wurden 1997 speziell gekennzeichnete Raucherzonen eingerichtet. 2005 wurde die ganze Universität für rauchfrei erklärt, was schliesslich unter anderem Anlass zur Erneuerung der Hausordnung gab. Diese trat erstaunlicherweise erst am 25. Februar 2010 in Kraft und verweist seitdem neben dem allgemeinen Rauchverbot auch auf Bewilligungspflichten für Stände, Aushänge sowie Foto- und Videoaufnahmen.  

(UAZ) BH 1: Hausordnung 2010 (PDF, 401 KB)

Rauchende Zuhörer(UAZ) E.7.1.206
Senatszimmer Vorschau(UAZ) E.5.2.37
15000. Studentin Vorschau(UAZ) E.5.2.12
Rauchende Zuhörer in der Aula (Filmbild), 1971 Senatszimmer, 1972 15'000. Studentin mit Rektor Gerold Hilty, 1981

 

1956: Studentische Direkthilfe Schweiz-Ungarn

Marcel Brengard

Ungaren flüchten nach Österreich
(UAZ) PA.012.001: Ungaren flüchten über die Grenze nach Österreich

Als sich in Ungarn im Oktober 1956 eine breite Gesellschaftsschicht gegen die Regierung der kommunistischen Partei und die sowjetische Besatzungsmacht erhob, löste dies unter der Studentenschaft der Universität Zürich eine Solidaritätswelle aus. Die Studierenden gründeten die Studentische Direkthilfe Schweiz-Ungarn und organisierten unter anderem eine Sammlung von Hilfsgütern sowie deren Transport nach Ungarn.

Tanks im Morgengrauen
(UAZ) PA.012.001: «Tanks im Morgengrauen» (Budapest)

Ab dem 30. Oktober 1956 erfolgte die erste Lieferung mit Waren im Wert von mehreren hunderttausend Franken, bestehend aus Medikamenten und Lebensmitteln. Die Schweizer Aktivisten nahmen Kontakt mit dem lokalen Hauptquartier der ungarischen Freiheitskämpfer in der Universitätsstadt Sopron auf und überliessen ihnen die Hilfsgüter zum Weitertransport. Kurz vor der Abreise kam eine Mutter auf die Schweizer Helfer zu und bat sie, ihre 14-jährige Tochter in die Schweiz mitzunehmen. Die Studenten brachten das Mädchen nach Wien, von wo aus es mit einem Privatflugzeug in die Schweiz gelangte. Somit war der erste von mehreren tausend Flüchtlingen in die Schweiz gelangt.

Die Hilfslieferungen hielten an. Die Equipe der zürcherischen Studenten liess sich auch vom sowjetischen Vormarsch nicht aufhalten und versuchte durch einen regelrechten Pendelverkehr zwischen der Front und der Landesgrenze möglichst viele Zivilisten ausser Landes zu bringen. Damit hatten die Studierenden der Universität Zürich zahlreichen regimekritischen Ungaren die Flucht in den Westen ermöglicht. Im UZH Archiv finden sich nicht nur schriftliche Akten wie der Tätigkeitsbericht der Studentischen Direkthilfe, sondern auch das Fototagebuch des Medizinstudenten Balz Hatt, welcher 1956 mit dem studentischen Konvoi die gesammelten Güter nach Ungarn brachte. Das einzigartige Zeugnis des zürcherischen Aktes der Solidarität belegt nicht nur das studentische Engagement, sondern ist auch ein eindrückliches Dokument der Zerstörung und Verheerung Ungarns sowie des Leids aller beteiligten Menschen.

(UAZ) PA.012.001: Fototagebuch Balz Hatt
(UAZ) PA.012.002: Dokumentation über die Studentische Direkthilfe Schweiz-Ungarn 1956

Grenzübertritt
(UAZ) PA.012.001
Stalindenkmal
(UAZ) PA.012.001
Fahrt durch Budapest
(UAZ) PA.012.001
Grenzübertritt nach Sopron «das geschleiffte [sic] Stalindenkmal in Sopron» Fahrt durch Budapest
Konvoi in Budapest(UAZ) PA.012.001
Lebensmittel
(UAZ) PA.012.001
Panzerwagen
(UAZ) PA.012.001
«Unser Konvoi in Budapest 20. Nov. 1956» «Wir verteilen (verbotener-weise) Lebensmittel» Zerstörter Panzerwagen mit getöteter Besatzung (um Seuchen zu verhin- dern wurden die Leichen mit Kalk desinfiziert)

 

«Wir haben eine neue Uni» – ein Videofilm aus dem Jahr 1979

Philipp Messner

Logo TV Uni (1982)
Logo der Abteilung «Television Universität» (1982)

Zwischen 1953 und 1973 vervierfachte sich die Zahl der Studierenden an der Universität Zürich. Auf diese Herausforderung reagierte die Universität u.a. mit dem verstärkten Einsatz von Fernsehtechnik in der Lehre. 1971 wurde zur besseren Koordination von Einkauf und Wartung von Fernsehgeräten die Abteilung «Television Universität» («TV-Uni») gegründet. Diese existierte als eigenständige Organisationseinheit bis zu ihrem Aufgehen in den «Multimedia- & E-Learning Services» (MELS) im Jahr 2004. In den ersten Jahren ihres Bestehens koordinierte die Abteilung vor allem die Ausrüstung einer grossen Zahl von Hörsälen an Universität und Universitätsspital mit Fernsehmonitoren. Neben den rein technischen Belangen bot die «TV-Uni» bald auch personelle und apparative Hilfeleistung bei der Herstellung von internen Videoproduktionen an. Eine Dienstleistung, die in den folgenden Jahren sukzessive ausgebaut wurde.

Professionelles Fernsehstudio Irchel
Das neue Fernsehstudio Irchel

1979 wurde an der neuen Universität Irchel mit Abschluss der ersten Bauetappe auch ein professionelles Fernsehstudio eingeweiht, wo mit 1-Zoll-Magnetspulenband gearbeitet wurde. Hier entstand noch im selben Jahr der Informationsfilm «Wir haben eine neue Uni», der den neuen Universitätsstandort Irchel mit den hier ansässigen naturwissenschaftlichen Instituten und deren Bibliothek vorstellt.

Durch den Film führen eine Mitarbeiterin des Wissenschaftlichen Informationsdienstes und ein Medizinstudent. Vorgestellt werden auch einige der für die Planung und Umsetzung des Neubauprojekts Verantwortlichen; darunter neben Max Ziegler, dem Architekten des Ensembles unter anderem Paul Meyer, der Leiter der Abteilung Umbauten des Kantonalen Hochbauamtes sowie Regierungsrat und Erziehungsdirektor Alfred Gilgen. Die im Studio gedrehten Szenen werden ergänzt durch kommentierte Einspielungen aus dem Betriebsalltag der verschiedenen Institute sowie einen Helikopterflug über den zu diesem Zeitpunkt zur Hälfte fertiggestellten Campus Irchel.

Auch wenn die technische Seite der Umsetzung ohne weiteres den Standards damaliger Fernsehproduktionen genügen konnte, wirkt die etwas hölzerne Dramaturgie aus heutiger Sicht oft unfreiwillig komisch.

(UAZ) E.17.1.247: «Wir haben eine neue Uni – Uni Irchel Zürich» (1979) [Ausschnitt, 03:12 Min.]
Ebd.: Ein Gespräch mit Architekt Max Ziegler über den Universitätsneubau [Ausschnitt, 01:08 Min.]
Ebd.: Das neue Rechenzentrum [Ausschnitt, 01:35 Min.]

Anekdoten zu Jubiläumsgeschenken des Zürcher Universitätsvereins

Inge Moser

Der Zürcher Universitätsverein (ZUNIV), der früher Zürcher Hochschulverein hiess, hat es sich neben zahlreichen Beiträgen an die Universität zur Tradition gemacht, diese an ihren Jubiläen reich zu beschenken. Das kommt nicht von ungefähr, wurde doch der Verein 1883 zur Feier des 50-jährigen Bestehens der Universität gegründet. Die Idee war, einen unabhängigen Fonds als Ergänzung zu den damals eher bescheidenen Mittel der Universität einzurichten, und damit Forschungsprojekte finanziell zu unterstützen.

Protokollband Zürcher Hochschulverein
(UAZ) PA.025.002: Protokoll der ersten Generalversammlung des Zürcher Hochschulvereins

Im Aufruf der Gründer des Hochschulvereins an zukünftige Mitglieder und Spender wird ausführlich erklärt, warum die Universität eine zusätzliche Geldquelle neben den staatlichen Beiträgen dringend benötigte: Die Besoldung der Dozierenden betrug damals maximal 4000 Franken und war an vielen anderen Universitäten höher angesetzt, besonders seit der Abnahme des Geldwerts, so dass ein Weggang von gut ausgebildeten Lehrpersonen und Professoren zu befürchten war. Am 5. Februar 1884 wurde demnach die erste (konstituierende) Generalversammlung des Hochschulvereins abgehalten, an der über 40 Absolventen und Freunde teilnahmen.

Aufruf der Gründer 1883

Statuen Rämistrasse 71
Eingangspforten an der Rämistrasse 71 mit dem Figurenpaar von Paul Osswald, Foto ca. 1980

Als die Universität 1914 ein neues zentrales Gebäude erhielt (das 2014 zum 100-jährigen Bestehen ebenfalls feierlich gewürdigt wurde: Haus der Wissenschaft), trug der ZUNIV einen Teil dazu bei. Er liess die beiden grossen Statuen, ein liegender weiblicher und männlicher Akt, vor dem Hauptgebäude erstellen – wofür dem Künstler Paul Osswald 6000 Franken bezahlt wurden, wie aus dem Vorstandsprotokoll von 1913 hervorgeht.

Neben 250‘000 Franken für die Einrichtung von 19 Gastdozentenwohnungen und der Gründung des heute noch bestehenden Fonds für Gastdozentenwohnungen liess der ZUNIV zum 150. Jubiläum der Universität 1983 eine moderne Medaille vom Künstler Max Bill in Silber und Gold gestalten. Dabei wurde ein nicht unwesentliches Detail vernachlässigt: der Künstler erhielt sein Honorar erst um Jahre verspätet, wie dies eine briefliche Ermahnung des Vorgängers an den amtierenden ZUNIV-Präsidenten belegt.

(UAZ) AC.3.006: Rück- und Vorderseite der goldenen Jubiläumsmedaille von Max Bill, 1983

Seit April 2008 steht in der Eingangshalle des Hauptgebäudes der Welcome Desk, den die Universität als Geschenk zum 175. Geburtstag vom ZUNIV erhielt. Er dient nicht nur als Anlaufstelle für ortsunkundige Erstsemestrige und BesucherInnen der Universität. In der Entwicklung des Projekts waren Architektur-Studierende der ETH Zürich massgeblich beteiligt, und das Personal, das am Desk Auskunft gibt, besteht ebenfalls vorwiegend aus Studierenden. Die raffinierte Gabe des ZUNIV ist also nicht bloss Verzierung, sondern auch von grossem Nutzen für Angehörige sowie Gäste der Universität.

Der umfangreiche Bestand des ZUNIV wurde dem UZH Archiv zur Übernahme angeboten und 2013 erschlossen.