Archivtag 2012

Die Teilnahme des UZH Archivs am 4. Schweizer Archivtag war ein Erfolg, insbesondere die am 3. November 2012 präsentierte Ausstellung «Studieren und Rebellieren».

Impressionen

Fotos: Markus Fischer, Roger Wehrli und UZH Archiv
© 2012 UZH Archiv, Universität Zürich

Ausstellung «Studieren und Rebellieren»

Studienführer 1950
(UAZ) DUG CA.8: Studienführer 1950

Das UZH Archiv zeigt am Schweizer Archivtag 2012 Schriftstücke, Fotografien und Filme aus seinen Beständen, die zum einen den studentischen Alltag in verschiedenen Zeiten dokumentieren, zum anderen den Blick auf aussergewöhnliche Ereignisse lenken. Ein Schwergewicht liegt dabei auf der Geschichte der Studierendenproteste an der Universität Zürich. Die Universität war immer wieder Austragungsort von Konflikten, die nicht nur praktische Probleme des Lehrbetriebs zum Inhalt hatten, sondern auch grundsätzliche gesellschaftliche Fragen aufwarfen. Die Ausstellung des UZH Archivs illustriert dies anhand verschiedener Dokumente zu den Tumulten rund um die Uni-Schliessung 1971, zum heissen Zürcher Sommer 1980 und zum Protest gegen die Sparmassnahmen 1996. Parallel zur Ausstellung wird ein Kurzfilm Gelegenheit bieten, einen Blick hinter die Kulissen des Archivbetriebes zu werfen.

Spuren studentischen Alltags

Zu den ältesten Zeugnissen studentischen Alltags an der 1833 gegründeten Universität Zürich zählen Matrikel, Testate und Legitimationsausweise. Eine Auswahl solcher historischer Dokumente bildet den Auftakt der Ausstellung. Des Weiteren können an einer Computerstation die neu überarbeitete Historische Matrikeledition (www.matrikel.uzh.ch) und die Historischen Vorlesungsverzeichnisse (www.histvv.uzh.ch) konsultiert werden, die Informationen über alle zwischen 1833 und 1924 an der Universität immatrikulierten Studierenden bzw. der hier zwischen 1833 und 1900 angekündigten Lehrveranstaltungen bereithalten.

Zwei Serien von Dokumentarfotografien aus den 1950er und 1970er Jahren zeigen nicht nur den Universitätsalltag zu jener Zeit, sondern auch die unterschiedlichen Arten diesen zu inszenieren.

Der Fackelzug – eine studentische Tradition im Wandel

Wurden anfangs vor allem der jährliche Dies academicus mit einem abendlichen Fackelzug begangen und abtretende Professoren oder andere Persönlichkeiten von den Studierenden mit einem solchen geehrt, nutzten studentische Initiativen bis in die 1960er Jahre die Form des Fackelzugs auch um politische Anliegen zu unterstreichen. So wurde 1956 auf diese Weise beispielsweise auf Zürichs Strassen die Solidarität mit dem bürgerlich-demokratischen Aufstand in Ungarn zum Ausdruck gebracht. Die 68er-Bewegung brach mit dieser Tradition. Sie bevorzugte andere Formen der politischen Manifestation. Der Fackelzug wurde zunehmend konservativ besetzt.

Uni-Schliessung 1971

Protestrequisit 1971
(UAZ) E.5.2.30: Protestrequisit 1971

Von 1920 bis zu ihrer Aberkennung durch den Kantonsrat bestand an der Universität Zürich mit der «Studentenschaft der Universität Zürich» (SUZ) eine öffentlich-rechtliche Körperschaft. Seit 1969 gab es in der Exekutive der SUZ eine linke Mehrheit, die u.a. auch Aktionen, wie die im Juli 1971 stattfindende öffentliche «Antifaschistische und antikapitalistische Woche» mittrug, bei der die Konterfeis von Marx, Engels, Lenin und Mao den Lichthof der Universität schmückten. Dies bewog die kantonale Erziehungsdirektion zu einer zweitätigen Schliessung der Universität. Die SUZ wurde nach jahrelangen Streitigkeiten mit dem Bildungsdepartement 1978 aufgelöst. Erst 2011 erlaubte ein entsprechender Beschluss des Kantonsrats die Neugründung einer rechtlich verankerten und finanziell unabhängigen Organisation der Studierenden.

Die Universität und der heisse Zürcher Sommer 1980

(UAZ) E.5.2.11: Requisiten der Demonstration vom 12.06.1980

Der kantonale Erziehungsdirektor Dr. Alfred Gilgen war in den 1970er und 80er Jahren das Feindbild der linken Studierenden. Am 6. Juni 1980 liess er einen von Studierenden des Ethnologischen Seminars im Rahmen des Projekts «Community Medien» gedrehten Videofilm über den Opernhauskrawall wegen «politischer Agitation mit wissenschaftlichem Material» konfiszieren. An einem Protesttag an der Universität Zürich fordern daraufhin rund 2000 Studierende den sofortigen Rücktritt des Erziehungsdirektors.

Studierendenproteste gegen Sparmassnahmen 1996

Nach der Auflösung der SUZ war es zwischen 1978 und 2004 vor allem der «Verband Studierender an der Universität Zürich» (VSU) – dessen Unterlagen sich heute im Universitätsarchiv befinden – der eine zentrale Rolle bei der Mobilisierung des studentischen Protestpotentials spielte. 1996 organisierte der VSU gemeinsam mit den Gewerkschaften des Universitätspersonals eine Reihe von Protestaktionen gegen die vom damaligen Erziehungsdirektor Dr. Ernst Buschor propagierte Reform der Universitätsverwaltung. Diese orientierte sich an den Prinzipien des New Public Management und verpflichtete die Universität unter anderem zu einschneidenden Sparmassnahmen.

(UAZ) PA.001.221: Transparente am Uni-Turm 25.06.1996

Die Zürcher Studierendenzeitung «ZS»

Auf eine politisch bewegte Geschichte kann die 1923 unter dem Namen «Zürcher Student» gegründete älteste Schweizer Studierendenzeitung «ZS» zurückblicken: Gegründet als Organ der in der SUZ organisierten Studierendenschaft wurde die Zeitschrift in den frühen 1930er Jahren von führenden Vertretern der frontistischen Ideologie geleitet, bevor sie 1933 wieder in neutralere Hände überging

Titelblatt "Zürcher Student" 1932
(UAZ) BF 1 10: Titelblatt "Zürcher Student" 1932

Im Anschluss an die Studentenrevolte 1968 verschoben sich die Machtverhältnisse in der SUZ deutlich nach links, was sich auch auf die Ausrichtung des «Zürcher Student» auswirkte. Ab 1981 wurde aus der Zeitschrift geschlechtsneutral die «Zürcher Student/in». Seit 2006 heisst sie offiziell «ZS - Zürcher Studierendenzeitung». Zu den internationalen Berühmtheiten unter den Autorinnen und Autoren zählt neben Kurt Tucholsky, der unter dem Pseudonym Ignaz Wrobel im Juni 1926 eine Glosse beisteuerte, auch Max Frisch, der im April 1932 im «Zürcher Student» seinen ersten Prosatext veröffentlichte. Die Zeitschrift wird im Rahmen der Ausstellung aufliegen und zum Schmökern einladen.